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1533
Politik und Weltgeschehen
- Iwan IV. („der Schreckliche“), Großfürst von Moskau, wird erster russischer Zar
- Eroberung des Inka-Reiches durch spanische Truppen unter Führung von Francisco Pizarro
- Nachdem 1515 Markgraf Christoph I. von Baden das Land an seine drei Söhne aufgeteilt hatte, entstanden nach dem Tod von Markgraf Philipp nach Aufteilung seines Erbes die badischen Regentenstämme
- Ernestinische Linie (protestantisch) mit Markgraf Ernst I. von Baden-Durlach
- Bernhardinische Linie (katholisch) mit Markgraf Bernhard III. von Baden-Baden. Die Markgrafschaft Baden wurde erst 1771 nach Aussterben der „Bernhardinischen Linie“ wieder vereint
- Großbritannien löst sich von der Kirche in Rom
- Am 26. Juni Schwur der versammelten Bürgerschaft von Hannover unter ihrem „Worthalter“ Dietrich Arnsborch auf dem Marktplatz, damit Beginn der Reformation in Hannover
- 28. Januar: Paul Luther, Mediziner und Sohn Luthers († 1593)
- 28. Februar: Michel Eyquem de Montaigne († 1592)
- 10. März: Francesco III. Gonzaga, ältester Sohn des Herzogs Federico II († 1550)
- 24. April: Wilhelm I. (Oranien-Nassau) († 1584)
- 2. August: Theodor Zwinger, schweizerischer Gelehrter und Sohn des Kürschners Leonhard Zwinger († 1588)
- 7. September: Elisabeth I. von England († 1603)
- 27. September: Stephan Bathory, König von Polen und 1571 bis 1575 Fürst von Siebenbürgen. († 1586)
- 22. November: Alfonso II. d'Este, Herzog von Ferrara, Modena und Reggio ab 1559 († 1597)
- 13. Dezember: Erik XIV. (Schweden), König von Schweden von 1560 bis 1568 († 1577)
- Valentin Weigel, deutscher mystischer Schriftsteller († 1588)
- 10. April: Friedrich I. (Dänemark), Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, König von Dänemark, Herzog von Schleswig und Holstein ( - 1471)
- 6. Juli: Ludovico Ariosto, italienischer Renaissancedichter ( - 1474)
- 29. August: Atahualpa, ein Herrscher des Inkareiches ( - nach 1500)
- Johann Eberlin von Günzburg, reformatorischer Theologe und Autor ( - um 1470)
- Muhammad XII., Sultan von Granada ( - 15. Jahrhundert)
- um 1533: Duarte Pacheco Pereira ( - um 1469), portugiesischer Seefahrer, Astronom und Geograf
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Moskau
Moskau (russisch Москва ) ist die Hauptstadt Russlands und mit 10.381.288 Einwohnern in der eigentlichen Stadt und 14.435.176 in der Agglomeration (Stand jeweils 1. Januar 2005) die größte Stadt Europas. Sie ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes mit Lomonossow-Universität, Hochschulen und Fachschulen sowie zahlreichen Kirchen, Theatern, Museen, Galerien und dem 577 Meter hohen Fernsehturm.
Der Kreml und der Rote Platz im Zentrum Moskaus stehen seit 1990 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Mit neun Kopfbahnhöfen, vier internationalen Flughäfen und drei Binnenhäfen ist die Stadt wichtigster Verkehrsknoten und größte Industriestadt Russlands.
Geografie
Geografische Lage
Weltkulturerbe
Moskau befindet sich im europäischen Teil Russlands, 55,75 Grad nördlicher Breite und 37,62 Grad östlicher Länge. Die Stadt liegt im Durchschnitt 156 Meter über dem Meeresspiegel im Hügelland zwischen Oka und Wolga und an den zum Teil steilen Ufern der Moskwa, einem Nebenfluss der Oka, die wiederum in die Wolga mündet.
Die Moskwa durchquert das Stadtgebiet in Mäandern von Nordwest nach Südost auf einer Länge von circa 80 Kilometern. Innerhalb Moskaus beträgt die Breite des Flusses 120 bis 200 Meter. Ungefähr 120 kleine Flüsse strömen der Moskwa zu. Mit Ausnahme von 14 wurden sie alle in unterirdische Rohrsysteme verlegt. Der 1937 fertiggestellte 128 Kilometer lange Moskau-Wolga-Kanal, der im Westen der Stadt in Richtung Norden abzweigt, sorgt für die schiffbare Verbindung des Flusses zum Iwankowoer Stausee beziehungsweise zur Wolga.
Die Stadtgrenzen bildet, mit wenigen Ausnahmen, der 1962 angelegte, 109 Kilometer lange Autobahnring. Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 1.097,12 Quadratkilometern. Die Grünflächen machen etwa ein Drittel des Stadtgebietes aus. Dazu gehören circa 100 Parks und über 800 gepflegte Anlagen, bereichert durch ungefähr 500 Teiche.
Um die Stadt zieht sich eine 30 bis 40 Kilometer lange Waldparkzone mit zahlreichen Erholungs- und Vergnügungseinrichtungen. Die Fläche des Waldparkgürtels beträgt 1.725 Quadratkilometer.
Stadtgliederung
1962
Moskau ist die Hauptstadt des Föderationskreises Zentralrussland und der Oblast Moskau, welche den Großraum Moskau ohne die Stadt selbst umfasst. Innerhalb des Föderationskreises Zentralrussland ist Moskau eine eigenständige Verwaltungseinheit.
Die Oblast Moskau ist in 39 Rajons (Kreise) unterteilt. Die Stadt selbst gliedert sich in zehn Bezirke und 125 Ortsteile. Die Stadtbezirke von Moskau sind:
1. Selenograd 2. Norden (Sewerny) 3. Nordosten (Sewerowostotschny)
4. Nordwesten (Sewerosapadny) 5. Zentrum (Zentralny) 6. Osten (Wostotschny) 7. Süden (Juschny) 8. Südosten (Jugowostotschny) 9. Südwesten (Jugosapadny)
Jeder der zehn Stadtbezirke hat einen Präfekten, der dem Moskauer Bürgermeister direkt unterstellt ist. Die Präfekten werden vom Bürgermeister ernannt. Jeder der Stadtbezirke hat ein eigenes Parlament, das aus elf gewählten Abgeordneten besteht.
Klima
Moskau befindet sich in der kontinentalen Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 5 Grad Celsius, das Jahresmittel des Niederschlages liegt bei 688 Millimetern. Der meiste Niederschlag fällt im Juli (92 mm im Monatsmittel), der wenigste im März (34 mm).
Im Winter beträgt die Temperatur in Moskau meist -12 bis -15 Grad Celsius, manchmal werden aber auch Temperaturen unter -20 Grad Celsius gemessen. Recht oft herrscht Tauwetter. Die Winde sind mäßig, die Luft ist trocken. Der Windchill-Faktor ist deshalb relativ niedrig, d.h. die gefühlte Temperatur ist in der Regel höher als die tatsächliche. Stärkere Fröste sind also verhältnismäßig leicht zu ertragen.
Windchill
Das Moskauer Temperaturmittel beträgt im Dezember -6,1, im Januar -9,3 und im Februar -7,7 Grad Celsius. Der Sommer in der Hauptstadt ist in der Regel warm und sonnig, mitunter aber auch sehr heiß — Temperaturen von über 35 Grad Celsius sind keine Seltenheit. Die langjährige Durchschnittstemperatur beträgt im Juni 16,6, im Juli 18,1 und im August 16,4 Grad Celsius.
Im Frühling beträgt die Durchschnittstemperatur im März -2,2, im April 5,8 und im Mai 12,9 Grad Celsius. Im Herbst liegt die Durchschnittstemperatur im September bei 10,9, im Oktober bei 5 und im November bei -1,1 Grad Celsius.
Die Schneeschmelze in der Stadt beginnt nach Berechnungen Moskauer Phänologen um den 16. März, der Eisbruch auf der Moskwa um den 12. April. Mit den ersten Gewittern ist um den 2. Mai zu rechnen, mit den ersten Nachtfrösten um den 14. September, und dem ersten Schneefall um den 28. Oktober. Die Moskwa friert um den 18. November wieder zu. Eine feste Schneedecke bildet sich um den 23. November.
In Moskau sind die Klimaverhältnisse in der Innenstadt, den Vororten und erst recht in der Umgebung unterschiedlich. In der Innenstadt ist es trockener und wärmer. In den Vororten ist die durchschnittliche Temperatur um 2-3 Grad Celsius niedriger als im Stadtzentrum.
Geschichte
Ursprung
Moskwa
Moskwa
Jahrhundertelang hat Moskau eine hervorragende Rolle im Leben des ganzen Landes gespielt. „Jeder russische Mensch fühlt, wenn er auf Moskau blickt, daß es seine Mutter ist“, sagte der Schriftsteller Lew Tolstoi. Seit neun Jahrhunderten breitet sich Moskau zu beiden Seiten des Moskwa-Flusses aus. In zahlreichen Legenden, Liedern und Sagen besingt das russische Volk die Schönheit und Größe seiner Hauptstadt.
Eine der Sagen kündet davon, daß der Fürst Juri Dolgoruki (1090-1157) eine hölzerne Stadt zu errichten befahl, und daß diese Stadt nach dem Fluß benannt wurde, an dessen Ufern sie emporwuchs. Die erste schriftliche Erwähnung Moskaus stammt aus dem Jahre 1147, das darum als das Gründungsjahr Moskaus gilt. Doch schon lange davor gab es an der Stelle, wo heute Moskau steht, menschliche Niederlassungen. Archäologische Ausgrabungen bezeugen, daß die ältesten von ihnen vor etwa 5.000 Jahren entstanden waren.
Seit seiner Entstehung ist Moskau mit dem Schicksal des russischen Volkes untrennbar verbunden. Nicht von ungefähr nannten die Ausländer früherer Zeiten den russischen Staat „Moskowia“ und seine Einwohner „Moskowiter“.
1156 entstand eine erste, noch hölzerne Wehranlage des Kreml, in deren Schutz sich der Marktflecken allmählich zu einer beachtlichen Ansiedlung entwickelte. Im Jahre 1238 ist die Stadt von den Mongolen erobert und niedergebrannt worden. 1263 wurde Moskau zum Fürstentum erhoben. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts — die Stadt zählte mittlerweile 30.000 Einwohner — erkannte der tatarische Großkhan den Moskauer Großfürsten als (ihm allerdings tributpflichtiges) Oberhaupt von Rußland an.
Der Sieg über die Tataren in der Schlacht von Kulikowo am 8. September 1380, angeführt durch den Großfürsten Dmitri Donskoi, befreite zwar nicht von der Hegemonie der Goldenen Horde (1382 wurde Moskau sogar abermals niedergebrannt und geplündert), doch die Stadt festigte dadurch ihr politisches und militärisches Ansehen erheblich und gewann mithin beständig an wirtschaftlicher Macht. 1480 konnte sie die Tatarenherrschaft abschütteln und wurde zur Hauptstadt des russischen Reiches.
Der seit 1462 regierende Großfürst von Moskau Iwan III., der Große (1440-1505), heiratete 1472 die byzantinische Prinzessin Sofia (Zoe) Palaiologos, eine Nichte des letzten oströmischen Kaisers Konstantin XI. Palaiologos, und übernahm von dort die autokratische Staatsidee und ihre Symbole: den Doppeladler und das Hofzeremoniell. Seither gilt Moskau als „drittes Rom“ und Hort der Orthodoxie.
Moskau wird Großstadt
Orthodoxie
In den beiden letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts begann der Ausbau des Kreml, in dessen Umkreis sich nun in großer Zahl Handwerker und Kaufleute niederließen. Die Einwohnerzahl stieg bald darauf auf mehr als 100.000, so dass um 1600 eine Ringmauer um Moskau und eine Erdverschanzung hinzukamen, die die blühende Stadt fortan nach außen abschirmten. 1591 war sie ein letztes mal von den Tataren heimgesucht worden, 1605 bis 1612 befand sie sich in der Hand der polnischen und weißrussischen Schlachta (Adel).
Während die ersten Tuch- Papier- und Ziegelmanufakturen, Glasfabriken und Pulvermühlen entstanden, kulminierten die sozialen Gegensätze des Großreiches: 1667 erhoben sich die Bauern im Wolga- und Dongebiet gegen die wachsende Unterdrückung, ihr Führer, Stepan Rasin, wurde 1671 auf dem Roten Platz in Moskau hingerichtet. Im Jahre 1687 ist die erste Hochschule Russlands, die „Slawisch-Griechische Akademie“ eröffnet worden, 1703 erschien die erste gedruckte russische Zeitung „Wedomosti“. Im Jahre 1712 ging unter Zar Peter der Große (1672-1725) das Privileg der Hauptstadt auf das neugegründete Sankt Petersburg über, aber Moskau blieb das wirtschaftliche und geistig kulturelle Zentrum des Landes. 1755 wurde in Moskau die erste russische Universität eröffnet.
Mit dem Moskau des 18. Jahrhunderts ist das Schaffen hervorragender russischer Schriftsteller und Dichter verknüpft wie Alexander Sumarokow, Denis Fonwisin, Nikolai Karamsin und vieler anderer. In Moskau trat der große russische Gelehrte Michail Lomonossow seinen Weg in die Wissenschaft an. Auch in späteren Zeiten lebten und wirkten in Moskau viele hervorragende russische Schriftsteller und Dichter, Wissenschaftler und Künstler, die durch ihr Schaffen nicht nur zur russischen, sondern auch zur Weltkultur einen immensen Beitrag geleistet haben.
Michail Lomonossow
Im Vaterländischen Krieg von 1812, als Napoléon Bonaparte (1769-1821) mit seiner „Großen Armee“ auf Moskau zumarschierte, verlor die Stadt in einem Flächenbrand - die Bewohner zündeten ihre Häuser an und flohen aus der Stadt - zwei Drittel ihrer Bausubstanz. Aber in Moskau kam die französische Armee zum Stehen, hier wurde sie wegen Hunger und Kälte zur Umkehr gezwungen, die mit ihrem Untergang endete.
Der im Frühjahr 1813 einsetzende großstilige Wieder- und Neuaufbau sprengte rasch den alten städtischen Verteidigungsring und verschaffte der Stadt von der Mitte des 19. Jahrhunderts an durch zügigen Straßen- und Bahnstreckenbau Anschluss an die wichtigsten Städte des Landes. 1890 fuhren die ersten elektrischen Straßenbahnen; die erste Volkszählung des Landes fand am 28. Januar 1897 statt, die Bevölkerung der Stadt war auf etwa eine Million angewachsen, und bis 1914 hatte sie sich verdoppelt.
In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nahmen die sozialen Spannungen zu. Die Konzentration der Industrie, vornehmlich der Leichtindustrie, war hier, von Sankt Petersburg abgesehen, am weitesten fortgeschritten, die Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahre 1861 hatte Zehntausende landloser Bauern zur Lohnarbeit in die Städte getrieben. 1898 wurde in Moskau die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands gegründet.
Die Übernahme der Macht durch die Kommunisten
1898
Die russische Revolution von 1905 bis 1907 erfasste die Stadt im Dezember 1905, als die Moskauer Arbeiter vom politischen Massenstreik zum bewaffneten Aufstand übergingen. Das Wirtschafts- und Versorgungschaos im 1. Weltkrieg schürte die sozialen Spannungen weiter. 1917 wurde während der Februarrevolution Zar Nikolaus II. (1868-1918) gestürzt. Im gleichen Jahr leitete Lenin (1870-1924) in Sankt Petersburg die Oktoberrevolution, was zum Bürgerkrieg von 1917 bis 1922 und zur Machtübernahme der kommunistischen Bolschewiki in Russland führte.
Am 12. März 1918 wurde Moskau zur Hauptstadt des Landes erklärt und die Regierung übersiedelte in den Kreml am Roten Platz. Am 22. Dezember 1922 ist dort die UdSSR gegründet worden. Nach Beendigung des Bürgerkrieges wurde 1925 eine grundlegende Umgestaltung Moskaus nach neuen städtebaulichen Grunsätzen, die eine Verbesserung der Wohnverhältnisse der Bevölkerung und die Beseitigung der Elendsbehausungen am Stadtrand vorsahen, in Angriff genommen. 1926 zählte die Stadt wieder zwei Millionen Einwohner.
1935 begann mit dem von Josef Stalin beschlossenen „Generalplan zur Stadterneuerung“ eine komplexe Neugestaltung Moskaus - damals sind die breiten Radialstraßen angelegt und die U-Bahn eröffnet worden, über die Moskwa spannte man neue Brücken und baute den Moskau-Wolga-Kanal. Quer durch die Altstadt wurden neue Magistralen geschlagen, zahlreiche historische Baudenkmäler wichen überdimensionierten sowjetischen Prunkbauten. Etwa 200.000 Bauarbeiter - überwiegend politische Gefangene - waren an der Umsetzung des Generalplans beteiligt.
Die vollständige Zerstörung des alten Moskau wurde paradoxerweise nur durch den 2. Weltkrieg verhindert, der zur Einstellung der Arbeiten führte. Auch das höchste Gebäude der Welt, der 415 Meter hohe "Palast der Sowjets", konnte nicht mehr fertiggestellt werden. Anstelle der am 5. Dezember 1931 gesprengten Christ-Erlöser-Kathedrale sollte das gewaltige Politik- und Kulturforum die Überlegenheit des sozialistischen Gesellschaftsmodells zeigen. Zur Ausführung gelangte jedoch nur das Fundament, denn bei Ausbruch des "Großen Vaterländischen Krieges" wurde das Projekt stillgelegt - und nach dem Krieg nicht wieder aufgenommen.
Der Große Vaterländische Krieg
Christ-Erlöser-Kathedrale
Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 22. Juni 1941 in die damalige Sowjetunion begann am 30. September des Jahres ihre Offensive auf Moskau. Rund 80 Divisionen, unter ihnen 14 Panzer- und acht mechanisierte Divisionen sowie Hunderte Flugzeuge, Tausende Panzer, Geschütze und Granatwerfer wurden gegen die Hauptstadt eingesetzt. Adolf Hitler erklärte, er werde in eigener Person die Parade seiner Truppen in Moskau abnehmen. Aus den geplanten Festlichkeiten wurde jedoch nichts. Eine andere Parade fand allerdings am 7. November auf dem Roten Platz statt, die traditionelle Militärparade der sowjetischen Armee.
Am 15. November startete eine 2. Offensive der Deutschen, dabei konnten sie bis in einzelne südliche Vororte einrücken. Der sowjetische Gegenangriff begann am 5. Dezember 1941, währenddessen die deutsche Armee um 100 bis 300 Kilometer zurückgeschlagen wurde. Die deutsche Luftwaffe flog gegen Moskau 12.000 Einsätze, aber nur ein Teil der Maschinen konnte die Stadt erreichen. In der Schlacht um Moskau haben die deutschen Truppen 250.000 Mann, 1.300 Panzer, 2.500 Geschütze, mehr als 15.000 Kraftfahrzeuge und vieles andere Material verloren. Etwa 700.000 sowjetische Soldaten wurden getötet, verwundet oder vermißt. Dies war die erste große Niederlage der deutschen Wehrmacht, kaum sechs Monate nach dem Beginn des Blitzkrieges.
Die Schlacht an der Wolga von Juli 1942 bis Februar 1943 leitete die Niederlage der deutschen Truppen in der damaligen Sowjetunion ein. Am 24. Juni 1945 fand auf dem Roten Platz in Moskau die Siegesparade der sowjetischen Armee statt. An der Kremlmauer ruht der Leichnam des Unbekannten Soldaten, der bei der Verteidigung der Hauptstadt fiel. Auf seinem Grabstein wurden die Worte gemeißelt:
::Dein Name ist unbekannt,
::deine Heldentat ist unsterblich.
Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
1945
Moskau wurde nach den schweren Zerstörungen im Krieg wieder aufgebaut. Im Jahre 1947 fasste man den Beschluss, die Stadt an acht ausgewählten Standorten mit Hochhäusern zu versehen. Denn Moskau hatte durch den Abriss zahlreicher Kirchen und Kathedralen sowie die nun allgemein höhere Bebauung nicht nur bedeutende Orientierungspunkte, sondern auch ihre einst malerische Silhouette verloren. Die Sowjetführung forderte dabei, dass die Gebäude keine Kopien ausländischer Wolkenkratzer sein dürfen, sondern von russischer Architekturtradition geprägt sein müssen.
Am 5. März 1953 stirbt Josef Stalin auf seiner Datscha in Kunzewo bei Moskau. Er wurde zunächst im Mausoleum am Roten Platz neben Lenin aufgebahrt. Im Zuge der beginnenden "Entstalinisierung" unter Regierungschef Nikita Chruschtschow wurde Stalins Leichnam 1961 aus dem Mausoleum entfernt und an der Kremlmauer beigesetzt.
Ein besonders intensives Baugeschehen erlebte Moskau nach dem Jahre 1955. Allein in der Zeitspanne von 1961 bis 1970 machte die Neubaufläche zweieinhalbmal soviel aus wie die Gesamtwohnfläche des ganzen vorrevolutionären Moskau. 1970 war die Einwohnerzahl auf fast sieben Millionen angestiegen.
1980 war Moskau Austragungsort der XXII. Olympischen Spiele. Ende der 1980er Jahre geriet die sowjetische Wirtschaft immer mehr in eine Krise. Im Zuge der Politik von Präsident Michail Gorbatschow (Perestrojka und Glasnost) wurde der wirtschafliche Niedergang des Landes immer offensichtlicher. Auf einigen Gebieten der Versorgung herrschte großer Mangel. Der Unmut der Bevölkerung entlud sich immer offener.
Im August 1991 wollte Gorbatschow einen Vertrag für eine neue Sowjetunion zur Unterschrift vorlegen. Um dies zu verhindern und die alte Union zu retten, initiierten in Moskau einige Generäle, Regierungsmitglieder und der KGB-Chef am 19. August des gleichen Jahres einen Putschversuch gegen den Präsidenten. Nach dessen Scheitern zwei Tage später trat vier Monate danach am 25. Dezember 1991 Gorbatschow von seinem Amt als Präsident zurück. Das Datum markiert gleichzeitig das Ende des ersten kommunistischen Staates.
Moskau seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion
1991]
1992 ließ der ein Jahr zuvor zum Präsidenten Russlands gewählte Boris Jelzin einen Föderationsvertrag unterzeichnen, der den Subjekten Russlands weitreichende Vollmachten zubilligte. Im September 1993 löste er den Kongress der Russischen Volksdeputierten und den Obersten Sowjet auf. Am 3. und 4. Oktober des gleichen Jahres kam es in Moskau erneut zu einem Putschversuch konservativer Politiker und deren Anhänger. Als diese das Weiße Haus (Parlamentsgebäude), das Rathaus und den Fernsehturm in Moskau besetzten, ließ Jelzin den Aufstand mit Gewalt (190 Tote) niederschlagen, um so einen Verfassungskonflikt zu seinen Gunsten zu entscheiden.
Am 12. Dezember 1993 verabschiedete das Volk eine neue Verfassung und gleichzeitig fanden erstmals freie Wahlen mit mehreren konkurrierenden Parteien statt. Vom 5. bis 7. September 1997 feierte die Stadt mit insgesamt 450 Veranstaltungen den 850. Jahrestag ihrer Gründung.
Im Jahre 1999 wurde Moskau von den verheerendsten Terroranschlägen seiner Geschichte erschüttert.
Am 9. September führte ein Bombenattentat auf ein neunstöckiges Wohnhaus an der Gerjanow-Straße zu 95 Toten und 264 Verletzten. Am 13. September kamen bei einem Anschlag auf ein neunstöckiges Wohnhaus an der Kaschirskoje Chaussee 121 Menschen ums Leben, neun wurden verletzt. Die Urheberschaft der Anschläge konnte bis heute nicht geklärt werden. Während die Regierung tschetschenische Terroristen verantwortlich macht, beschuldigen Kritiker des russischen Präsidenten Geheimdienstagenten, die Bomben in den Hauskellern deponiert zu haben.
13. September
Am 31. Dezember 1999 trat Präsident Jelzin in Moskau überraschend vorzeitig zurück und übertrug Regierungschef Wladimir Putin die Amtsgeschäfte. Am 19. August 2000 wurde die 1931 gesprengte Christ-Erlöser-Kathedrale, der größte Russisch-orthodoxe Kirchenbau der Welt, wiedereröffnet. Anfang September 2002 musste in einigen Bezirken Moskaus der Notstand ausgerufen werden; der in die Stadt eingedrungene Rauch von mehreren Hundert Wald- und Torfbränden in der Umgebung brachte das öffentliche Leben in Moskau zeitweise zum Erliegen.
Am 23. Oktober 2002 stürmte ein Kommando von 41 tschetschenischen Geiselnehmern, unter ihnen 19 Frauen, das Musical-Theater "Nord-Ost", brachte rund 800 Zuschauer, Musiker und Schauspieler in seine Gewalt. Den Überfall leitete der tschetschenische Rebell Mowsar Barajew, als Organisator gilt der Feldkommandeur Schamil Bassajew. Bei der Erstürmung durch russische Sonderpolizeieinheiten kamen 170 Menschen, darunter 129 Geiseln, nach dem Einsatz eines Kampfgases ums Leben.
Bei einem Anschlag auf jugendliche Teilnehmer eines Rockfestivals auf dem Moskauer Flugplatz Tuschino kamen am 5. Juli 2003 einschließlich der Selbstmordattentäterinnen 16 Menschen ums Leben. Am 6. Februar 2004 wurden bei einem Bombenanschlag auf eine voll besetzte Metro in der Nähe der Station Awtosawodskaja 39 Menschen getötet und 140 verletzt.
Einwohnerentwicklung
2004
Moskau ist von alters her Anziehungspunkt für Ausländer. Die ersten Ansiedlungen wurden von angereisten Kaufleuten, Handwerkern, Lehnsleuten und deren Nachkommen schon im 16. Jahrhundert gegründet. Die deutsche Ansiedlung am Jausa-Ufer war die größte davon. Aber auch Menschen aus vielen Teilen Europas lebten dort. Damals hatte die Stadt etwa 100.000 Einwohner. Heute sind es mit zehn Millionen einhundertmal so viel. Von der ethnischen Vielfalt der Bevölkerung in Moskau zeugen die alten Ortsnamen des kompakten Ansiedelns der nichtrussischen Völkerschaften.
Die Treue der ethnischen Gruppen zu bestimmten Beschäftigungen und Handwerken blieb bis heute erhalten. Die Chinesen eröffneten Wäschereibetriebe, die Assyrer arbeiteten als Schuster oder Stiefelputzer, viele Tataren als Hausleute und die Juden als Ärzte, Pädagogen und Schriftsteller. Im Handel sind heute Gebürtige aus Transkaukasien, im Geschäftsbereich Vietnamesen und auf den Baustellen viele Ukrainer und Moldawier beschäftigt.
Insgesamt leben heute in Moskau Angehörige von mehr als hundert Nationalitäten. Von ihnen sind 90 Prozent Russen. Zu den größten ethnischen Gruppen gehören die Ukrainer, Tataren und Juden mit jeweils etwa zwei Prozent Anteil an der Bevölkerung der Hauptstadt. Allerdings ist der Zustrom der Übersiedler aus den ehemaligen Unionsrepubliken der früheren Sowjetunion nicht in vollem Maße statistisch erfasst worden, da sich viele nicht registrieren ließen.
Von einigen wenigen Ausschreitungen einzelner Extremisten gegen Ausländer abgesehen, gibt es in Moskau keine zwischenethnische Zwietracht oder Konflikte. Die Stadt ist seit Jahrhunderten durch ihre gastliche Aufnahme, Gastfreundschaft und nationale Toleranz berühmt.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1956 handelt es sich meist um Schätzungen, von 1959 bis 2002 um Volkszählungsergebnisse und 2005 um eine Berechnung.
Toleranz
Politik
Toleranz
Da Moskau Sitz des Präsidenten und seiner Präsidialverwaltung, der Föderationsregierung sowie zahlreicher Ministerien und Behörden ist, ist die Politik der Stadtverwaltung Moskaus naturgemäß geprägt von Koexistenz aber auch Konflikten mit dem Kreml und dem Weissen Haus. Dies ist seit langer Zeit eine Konstante der Politik in der Hauptstadt Russlands.
Der latente Konflikt wird verstärkt, wenn das Stadtoberhaupt Ambitionen auf die Führung des Staates anmeldet - oder sie ihm nachgesagt werden. Die wichtigsten Akteure in diesem Konflikt sind einmal der Präsident und der Premierminister mit den vielen Beamten und Staatsbediensteten sowie auf der anderen Seite der Bürgermeister Moskaus und die zahlreichen Mitarbeiter der Stadtverwaltung.
Die Stadtverwaltung übt die Exekutivmacht (ausführende Gewalt) in Moskau aus, die aus der Regierung der Stadt und dem Regierenden Bürgermeister besteht. Der Bürgermeister wird zusammen mit dem Vizebürgermeister durch die Bevölkerung Moskaus auf vier Jahre gewählt. Die Legislative (gesetzgebende Gewalt) wird von der Stadtduma Moskaus gestellt. Diese besteht aus insgesamt 35 Abgeordneten und überwacht in ihrer Funktion den Bürgermeister.
Die Wähler in Moskau, die etwa zehn Prozent der gesamten Wählerschaft Russlands ausmachen, stimmten bei Wahlen seit Anfang der 1990er Jahre in der Regel stärker für liberale oder sozialliberale Parteien der Opposition, als der restliche Teil des Landes. Eine Ausnahme von diesem Trend sind die überwältigenden Wahlergebnisse für den gegenwärtig amtierenden Bürgermeister Juri Luschkow von über 70 Prozent. Dabei wird Luschkow trotz seiner pragmatischen Wirtschafts- und Investitionspolitik in Richtung Europa nicht als Liberaler und "Westler" betrachtet.
Städtepartnerschaften
Moskau unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Theater
Juri Luschkow
Das Bolschoi-Theater (Großes Theater) in Moskau ist das bekannteste Theater der Stadt. Es besteht seit dem Jahre 1776. Damals erhielt Fürst Peter Urussow vom Zaren das Alleinrecht, in Moskau Schau- und Singspiele aufzuführen. Die ersten Schauspieler waren Leibeigene des Fürsten.
Die Aufführungen fanden zuerst noch in einem Privathaus statt, erst im Jahre 1780 entstand der Theaterbau am heutigen Standort. Das Bauwerk steht auf Holzpfählen in einem sumpfigen Teil des Moskauer Zentrums. Zuerst war das Theater nach der vorbei führenden Straße Petrowsky-Theater benannt. Im 18. Jahrhundert wurden überwiegend Opern russischer Komponisten aufgeführt, aber auch Dramen und Ballette.
1805 brannte das Theatergebäude ab und wurde 20 Jahre später durch den Architekten Ossip Bowe (auch Osip Bove) neu errichtet. Erst damals erhielt es den Namen Bolschoi-Theater. Am 18. Januar 1825 wurde das neue Bolschoi-Theater mit dem Prolog Der Triumph der Musen zur Musik von Alexei Werstowski und Alexander Aljabjew wieder eröffnet. 1853 zerstörte erneut ein Brand die Inneneinrichtung des Theaters. Daraufhin stattete der Architekt Albert Cavos das Gebäude noch kostbarer aus. Bis heute ist bis auf kleinere Veränderungen diese Einrichtung erhalten geblieben. Durch seine außergewöhnliche Architektur im Stil des russischen Klassizismus gehört das Bolschoi-Theater heute zu den schönsten Theatern der Welt.
Heute arbeiten dort etwa 900 Schauspieler, Tänzer, Sänger und Musiker. Die Stars sind meistens auf Tournee in aller Welt unterwegs und daher selten in Moskau anzutreffen. Das Bolschoi-Theater ist heute die Heimat einer der ältesten und besten Ballettkompanien der Welt, dem weltberühmten Bolschoi-Ballett.
Museen
Klassizismus
Klassizismus
Unter den vielen Museen der Stadt besonders sehenswert ist das "Puschkin-Museum für Bildende Künste" mit hervorragenden Exponaten zur Kulturgeschichte des Altertums, zur Renaissance und einer breitgefächerten Gemäldesammlung vornehmlich westeuropäischer Künstler.
Sehr interessant ist auch die "Tretjakow-Galerie". Sie ist das größte Museum der russischen nationalen Kunst und präsentiert mehr als 100.000 Gemälde, Graphiken und Skulpturen vom 11. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die Galerie wurde 1902 erbaut. Der Gründer war der russische Kaufmann Pawel Michajlowitsch Tretjakow (1832-1898). Als ein leidenschaftlicher Sammler begann Tretjakow vom Jahre 1856 an die Werke zeitgenössischer russischer Maler zu erwerben. 1892 betrug seine Sammlung, die nun auch Ikonen umfasste, ungefähr 2.000 Werke. In diesem Jahr schenkte er seine Sammlung der Stadt Moskau.
Nach Tretjakows Tod wurde das Museum von der Stadtduma geleitet. Zu den Mitgliedern der Duma gehörten meist russische Künstler wie Ilja Ostruchow. Nach der Oktoberrevolution im Jahre 1917 erlangte die Galerie nationalen Status. 1920 bis 1930 wurden Sammlungen zahlreicher anderer Museen in die Tretjakow-Galerie übertragen. Mitte der 1930er Jahre fanden dort wegen des auf den ständigen Zuwachs folgenden Raummangels umfangreiche Erweiterungen statt. Auf Grund des großen Besucherandrangs erfolgte in den 1980er und 1990er Jahren ein weiterer Um- und Ausbau. 1995 wurde auch eine Abteilung für Moderne Kunst eröffnet.
Einen Besuch wert ist auch das Panorama der "Schlacht von Borodino", geschaffen von Franz Robaut (1856-1928), im Borodino-Panorama-Museum, oder eine der zahlreichen Kunstausstellungen.
Östlich des Stadtzentrums, im früheren Andronnikow-Kloster, befindet sich das Museum des Malers Andrei Rubljow (1360-1430), in dem der Meister der russischen Ikonenmalerei und Begründer der Moskauer Malschule im 15. Jahrhundert als Mönch lebte, starb und auch beigesetzt wurde. Das Museum beherbergt Ikonenmalerei des 14. bis 17. Jahrhunderts.
Bauwerke
Zu den zahlreichen sehenswerten Bauwerken gehören viele Zeugnisse der Baukunst aus Vergangenheit und Gegenwart, Denkmäler berühmter Schriftsteller, Gelehrter und Staatsmänner sowie Monumente und Denkmäler zu Ehren großer historischer Ereignisse. Der Kreml und der Rote Platz stehen seit 1990 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Der Kreml
Weltkulturerbe
Das bedeutsamste Bau- und Geschichtsdenkmal ist der Kreml, der älteste Teil Moskaus. Dort befindet sich der Sitz des russischen Präsidenten. Die bis auf den heutigen Tag erhalten gebliebenen Mauern und 19 Türme wurden im 15. Jahrhundert errichtet und waren damals eine beachtliche Befestigungsanlage.
Die ältesten Baudenkmäler sind die Maria-Entschlafens-Kathedrale von 1479, die Verkündigungs-Kathedrale von 1489 und die Erzengel-Kathedrale aus dem Jahre 1509, die Kirche zur Gewandlegung der Muttergottes von 1486, der Facettenpalast aus dem Jahre 1491 sowie der 80 Meter hohe Glockenturm von Iwan dem Großen (Kolokolnja Iwana Welikogo) von 1508.
Später kamen die Kirche zu den zwölf Aposteln und der Patriarchenpalast und der Terem-Palast, beide erbaut im 17. Jahrhundert, das Arsenal von 1737 sowie das Senatsgebäude aus dem Jahre 1787 hinzu. In letzterem Gebäude lebte und arbeitete von 1918 bis 1922 Lenin. Sein Arbeitszimmer und seine Wohnung sind so erhalten geblieben, wie zu seinen Lebzeiten.
Das Gebäude der Rüstkammer von 1851 enthält ein einzigartiges Museum mit Sammlungen alter Waffen und Kriegstrophäen, der größten Sammlung von Zarengewändern, Insignien, Thronsesseln, Kutschen und anderen seltenen Meisterstücken des russischen und ausländischen Kunsthandwerks, die mit der Geschichte Russlands verbunden sind. Unweit des Glockenturms befinden sich die Zarenkanone und Zarenglocke, einzigartige Denkmäler der russischen Gießerkunst des 16. bis 18. Jahrhunderts.
1961 wurde auf dem Kreml-Gelände der Kongresspalast errichtet, ein sachlicher und zugleich festlicher Bau, dessen großer Saal ein Fassungsvermögen von 6.000 Personen hat. Hier finden wichtige öffentliche Veranstaltungen und internationale Kongresse statt, aber auch Schauspiele sowie Opern- und Ballettaufführungen des Bolschoi-Theaters.
Der Rote Platz
1961
1961
An den Kreml grenzt der Rote Platz,
der Hauptplatz Moskaus, auf dem sich das Leninmausoleum
befindet. Der Name leitet sich vom russischen Krasnaja
Ploschtschad ab. Die Bezeichnung Roter Platz ist nicht
politisch (aus der Zeit der Sowjetunion) motiviert,
und bezieht sich nicht auf die Farbe der Kremlmauern
und -türme, deren Anstrich bis zum 19. Jahrhundert weiß war.
Die Bezeichnung stammt aus dem 16. Jahrhundert,
und bedeutet eigentlich "Schöner Platz". Obwohl krasnaja auf Altrussisch "schön" bedeutet, wird es im Deutschen mit "rot" übersetzt. Das kommt daher, weil sich die Worte für "rot" und "schön" ähneln.
Neben dem Platz befinden sich einige Gräber. In die Kremlmauer sind Urnen mit der Asche berühmter Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur eingelassen; beispielsweise von Josef Stalin und Juri Gagarin. Auf dem Roten Platz stehen die Basilius-Kathedrale, errichtet 1561, sowie ein Denkmal für Kusma Minin, ein Führer der Volkswehr von Nischni Nowgorod und Fürst Dimitri Posharski (1578-1642), die Helden des Befreiungskrieges gegen die polnisch-weißrussische Intervention zu Beginn des 17. Jahrhunderts, fertiggestellt 1818 von Iwan Petrowitsch Martos (1754-1835).
An der Kremlmauer befindet sich im Alexander-Garten das Grabmal des Unbekannten Soldaten, ein 1967 errichtetes Ehrenmal für die Gefallenen des 2. Weltkrieges. Ganz in der Nähe des Kreml und des Roten Platzes, angrenzend an das Hotels Rossija, sind einige der ältesten Steinbauten des Kitaj-Gorod, der Moskauer Altstadt, erhalten geblieben — unter ihnen Baulichkeiten des alten Zarenhofs, erbaut zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert, das Haus des Bojaren Romanow, die Annen-Kirche aus dem 15. Jahrhundert sowie andere interessante Kirchen und Häuser.
Die Twerskaja-Straße
Die Twerskaja-Straße ist die Hauptstraße Moskaus. Der Weg nach Twer und weiter nach Sankt Petersburg nimmt hier seinen Anfang. Hier fuhr einstmals Tatjana Larina, die Heldin des Romans in Versen "Eugen Onegin" von Alexander Puschkin (1799-1837), in die Stadt ein. In den 1930er und 1940er Jahren wurde die Straße erweitert und mit neuen Gebäuden bebaut, einige alte sind von ihrem Standort bewegt und in die Tiefe der Wohnviertel verschoben worden. Die Straße ist heute ein Sammelort von luxuriösen Hotels, Bars, Restaurants und Einzelhandels-Geschäften.
1782 ist hier nach einem Entwurf des Architekten Matwej Fjodorowitsch Kasakow (1733-1812) das Rathaus der Stadt Moskau errichtet worden. Gegenüber dem Rathaus erhebt sich das Reiterstandbild des Begründers der Stadt Juri Dolgoruki. Die Denkmäler der russischen Dichter Alexander Puschkin und Wladimir Majakowski (1893-1930), hergestellt durch die Bildhauer Alexander Opekuschin 1880 beziehungsweise Alexander Kibalnikow 1958, stehen an der Kreuzung der Straße mit dem Boulevard- und dem Gartenring.
Boulevard- und Gartenring
1958
Straßen und Plätze des Stadtkerns umrahmen zahlreiche weitere Bau- und Geschichtsdenkmäler des 15. bis 18. Jahrhunderts. Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Zentrum Moskaus mit einer neun Kilometer langen und 30 Türme zählenden Stadtmauer umgeben, die nicht erhalten blieb. An ihrer Stelle entstand der Boulevard-Ring.
Jenseits der Stadtmauer umzog die Stadt zusätzlich ein etwa 16 Kilometer langer Erdwall mit Palisaden und hölzernen Wehrtürmen. Den einstigen Verlauf des Wallgrabens markiert heute der Gartenring, von dem sternförmig die größten Straßen Moskaus abgehen. Der Komsomolskaja-Platz stellt das Haupteisenbahntor der Hauptstadt dar und ist einer der belebtesten Orte Moskaus. Von den drei hier gelegenen Bahnhöfen laufen Eisenbahnstrecken nach unterschiedlichen Richtungen auseinander.
Das Bauensemble des Platzes ist beeindruckend. An seiner Schaffung nahmen berühmte Architekten teil. Konstantin Ton entwarf den 1851 fertiggestellten "Leningrader Bahnhof", Fjodor Schechtel den "Jaroslawer Bahnhof" von 1904, Alexei Wiktorowitsch Schtschussew den 1926 eröffneten "Kasaner Bahnhof (Moskau)" und das Klubgebäude und Leonid Poljakow das 28geschossige Hotel "Leningradskaja" von 1953.
Moscow City
1953
Vier Kilometer vom Kreml gelegen, befindet sich das momentan größte Bauprojekt in Europa. Bereits in den 1990er Jahren hatte man in Moskau von einem "russischen Manhattan" geträumt, doch wegen Geldmangel wurde das Projekt auf Eis gelegt. Mit dem Wirtschaftsaufschwung und durch private Investitionen wurde im Jahr 2001 der erste Wolkenkratzer fertiggestellt, nun befinden sich fast alle Projekte im Bau. Damit sollte die riesige Nachfrage der Bürogebäude in Moskau gedeckt werden. Die Fertigstellung aller Gebäude ist für das Jahr 2012 geplant und die Kosten belaufen sich auf über zwölf Milliarden US-Dollar.
Zu Moscow City gehört auch das höchste Bürogebäude Europas, "Federazija", auf deutsch "Föderation". Am 9. Februar 2005 wurde der Grundstein für das 440 Meter hohe Gebäude gelegt. Mit der Fertigstellung wird im Jahre 2007 gerechnet. Rekordhalter ist bisher mit 264,1 Metern Höhe der Triumph-Palace (russ. Триумф-Палас) in Moskau. Die Gesamtplanung für die beiden Türme in Moskau erfolgte durch die deutsche Architektengemeinschaft Peter P. Schweger & Sergei Tchoban. Der höhere der beiden Türme wird 87 Stockwerke umfassen. In dem Gebäude in der Form zweier Spitzsegel werden sich Büroräume, Wohnungen, ein Hotel, ein Fitnessklub mit Schwimmbad und ein Aquarium befinden.
Weitere Bauwerke
Peter P. Schweger
Sehenswert sind des weiteren das "Schloß Ostankino", ein einmaliges Architekturdenkmal des 18. Jahrhunderts, der Fernsehturm von 1967, der Schuchowsk-Radioturm aus dem Jahre 1922, das zwischen 1888 und 1893 erbaute Kaufhaus GUM, das größte in Russland, der Arbat, ein altes historisches Stadtviertel, 1493 das erste mal erwähnt und die Christ-Erlöser-Kathedrale, im Jahre 2000 wiedereröffnet sowie die sieben "Wolkenkratzer", erbaut im Zuckerbäckerstil, auch "Stalinfinger" oder "die sieben Schwestern Stalins" genannt, wie zum Beispiel das Hotel Ukraina, das Außenministerium und die Lomonossow-Universität.
Letztere befindet sich in den Außenbezirken der Stadt. Über der Moskwa unverkennbar auszumachen das 240 Meter hohe Zentralgebäude der Universität, 1949 bis 1953 errichtet, um das sich vier 17etagige Seitenflügel gruppieren. Etwa 30.000 Studenten sind hier eingeschrieben, und um jeden der rund 45.000 Räume aufzusuchen, müßte man einen Weg von 145 Kilometern zurücklegen.
Ganz in der Nähe liegt der Luschniki-Sportpark - wichtigster Austragungsort der Olympischen Spiele 1980 - mit dem 84.000 Gäste fassenden Luschniki-Stadion, erbaut in den Jahren 1955 und 1956, mehreren kleineren Wettkampfanlagen und dem Sportpalast für 17.000 Zuschauer.
Parks
1956
Der "Gorki-Park für Kultur und Erholung" ist der populärste unter den rund 100 Parks in Moskau. Er befindet sich im Zentrum der Stadt, am Ufer der Moskwa. Hier gibt es zahlreiche Attraktionen, eine Bootsstation, Bars, Restaurants, Cafes und im Winter Eisbahnen.
Auf den Freilichtbühnen treten hier Künstler auf, an den Festtagen finden Volksvergnügungen statt und werden farbenprächtige Feuerwerke abgebrannt. Den älteren Teil des Parks bildet der Neskutschni-Garten mit malerischen Hügeln, Hainen und kleinen Brücken. Hier befanden sich im 18. Jahrhundert die Gutsgärten des Moskauer Adels.
Im Südosten der Stadt findet sich über der Moskwa der Park von Kolomenskoe, heute ein Freilichtmuseum. Berühmt ist vor allem die Christi-Himmelfahrtskirche, die erste russische Zeltdachkirche aus Stein.
Im Nordosten der Stadt befindet sich der etwa 300 Hektar große "Sokolniki-Park für Kultur und Erholung" in herrlicher Waldlandschaft. Größter Moskauer Erholungspark - er umfaßt rund 1.800 Hektar - ist, ganz am nordöstlichen Stadtrand gelegen, der "Park von Ismailowo", die einstige Vergnügungsstätte der letzten Zarendynastie; einige wenige Feudalbauten, unter anderem eine barocke Kathedrale vom Ende des 17. Jahrhunderts haben sich zwischen modernen Cafés, Pavillons und ähnlichem noch erhalten.
Erwähnenswert sind weiterhin der Park von Kuskowo im Osten der Stadt, ein Schlosspark teilweise im englischen und französischen Stil errichtet, sowie die Parks von Zarizino und Ostankino.
Sport
17. Jahrhundert
Moskau war Austragungsort der XXII. Olympischen Spiele 1980 sowie vieler Welt- und Europameisterschaften und anderer internationaler Wettkämpfe. Die Stadt besitzt mehr als 6.000 sportliche Einrichtungen, unter ihnen etwa 100 Stadien, sechs Sportpaläste, über 180 Schwimmhallen, mehr als 2.500 Sportsäle und Turnhallen, 3.500 Sportplätze, einen Ruderkanal, mehrere Sportkomplexe, ein Wasserstadion, eine Radrennbahn und 60 Schießsportplätze.
Die größten Stadien der Hauptstadt - das Luschniki-Stadion mit 84.000 Plätzen und das Dynamo-Stadion mit 51.000 Plätzen - haben außer der eigentlichen Arena Sportsäle, Schwimmbecken, Spielfelder, Trainingsplätze etc.
Kulinarische Spezialitäten
Das Restaurantangebot der Stadt ist kaum überschaubar, ständig sind neue Lokalitäten angesagt, andere werden wieder geschlossen. Die Preise sind sehr unterschiedlich. Es gibt Gaststätten die der Unterhaltung dienen, Bars, Cafes, aber auch Selbsbedienungsrestaurants und Kantinen. Insgesamt verfügt Moskau im Vergleich zu anderen Hauptstädten der Welt immer noch über ein erstaunlich geringes Gastronomieangebot.
Eines der berühmtesten russischen Gerichte ist Borschtsch, eine Suppe aus roter Bete, die dem Gast im Restaurant heiß mit saurer Sahne serviert wird und ähnlich wie Akroschka (kalte Kwas-Suppe) schmeckt. Weltweit bekannt sind Bœuf Stroganoff (geschnetzeltes Rinderfilet, in saurer Sauce geschmort), Ikra oder Krasnaja Ikra (schwarzer oder roter Kaviar), Blini (Pfannkuchen meist mit Kaviar oder Lachs und saurer Sauce serviert) und Aladyi (süße Blini mit Marmeladenfüllung). Zum Nachtisch besonders beliebt sind Blintschiki (Pfannkuchen) aus Grieß oder Buchweizen mit süßer Soße.
Einkaufen
Buchweizen
Die Stadt bietet im Gegensatz zu anderen Regionen des Landes gute Einkaufsmöglichkeiten. Viele Geschäfte sind nicht nur von Montag bis Sonnabend, sondern sogar Sonntags geöffnet. Kaufhäuser und Supermärkte haben durchgehend offen. Für Antiquitäten, Kunstwerke, Manuskripte und andere wertvolle Gegenstände, die nicht in den Souvenirgeschäften gekauft werden, ist eine Exportgenehmigung notwendig. Beliebte Souvenirs sind Matroschkas (buntbemalte Holzpuppen), geschnitztes Spielzeug und Schatullen mit Märchenmotiven und Malereien auf Holz oder Emaille.
Das größte und bekannteste Kaufhaus in Moskau und eines der größten der Welt ist das Warenhaus GUM. Es befindet sich am Roten Platz 3, gegenüber dem Lenin-Mausoleum und dem Kreml, mitten im Herzen Moskaus. Das Moskauer Handelshaus wurde zwischen 1888 und 1893 im Auftrag des Zaren durch die Architekten Alexander Nikolajewitsch Pomeranzew und Wladimir Grigorjewitsch Schuchow im neorussischen Stil erbaut, einer neoklassizistischen Spielart mit starken russisch-traditionalistischen Einflüssen.
Zwei der beliebtesten Einkaufsstraßen in Moskau sind die Nowi Arbat, eine wichtige Durchgangsstraße westlich des Kremls und die Arbat-Straße, eine Parallelstraße zur Nowi Arbat und die älteste Fußgängerzone Moskaus. Die vom Roten Platz in nördlicher Richtung verlaufende Twerskaja-Straße ist die vornehmste Einkaufsstraße der Stadt und die Adresse einiger teurer Boutiquen. Klassische russische Mode kann man bei Walentin Judaschkin im Kutusowskij-Prospekt kaufen, einer der imposantesten Einkaufsstraßen Moskaus, in der sich auch das exklusive Einkaufszentrum "Moskwa" befindet.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
neoklassizistischen
neoklassizistischen
Moskau spielt eine Schlüsselrolle in der Wirtschaft Russlands. Der Anteil der Stadt am Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes beträgt 12,5 Prozent. Etwa ein Viertel der Industrieproduktion Moskaus entfallen auf den Maschinenbau. Seine Hauptzweige sind Werkzeugmaschinen- und Werkzeugbau, Elektroindustrie, Lagerfertigung, Kraftfahrzeugindustrie und Gerätebau. Weitere wichtige Industriezweige sind das Hüttenwesen, die Leicht-, Kraftfahrzeug-, Baustoff-, Chemie- und petrochemische Industrie. Die Stadt ist ein großes Zentrum des Militär-Industrie-Komplexes.
In Moskau sind etwa 80 Prozent des Finanzpotenzials des Landes konzentriert. Zwei Drittel des Gesamtumfanges ausländischer Investitionen in die Wirtschaft Russlands geht in die Hauptstadt. Moskau ist damit das größte Betätigungsfeld ausländischer Investoren. In der Stadt befinden sich etwa 18.500 Handelsbetriebe, Gaststätten und Dienstleistungsbetriebe, 9.000 Kleinhandelsobjekte und circa 150 Märkte in denen ungefähr eine Million Personen beschäftigt sind. In der Stadt gibt es etwa 1.200 Banken, über 60 Versicherungsgesellschaften und mehrere Dutzend Börsen. Etwa ein Viertel aller Einnahmen des Staatshaushalts steuert Moskau bei.
Die Wirtschaftsreformen nach Einführung der Perestroika in den 1980er Jahren stürzte die Stadt und das ganze Land in eine Krise. Die Industrieproduktion Moskaus sank um 30 Prozent. Die Auswirkungen des wirtschaftlichen Einbruchs sind aber dank der Entwicklung zahlreicher kleiner und mittelständischer Industrie-, Bau-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe in den letzten Jahren weniger zu spüren als in anderen Regionen Russlands.
Die Arbeitslosigkeit in der Stadt liegt gegenwärtig bei nur zwei Prozent. Erwerbslos sind nur die armen und weniger gebildeten Bevölkerungsschichten. Bei den qualifizierten Arbeitskräften gibt es keine messbare Arbeitslosigkeit. Der Mindestlohn der Beschäftigten Moskaus beträgt 720 Rubel (21 Euro). Der durchschnittliche Monatsbruttolohn liegt bei 13.038 Rubel (381 Euro). In ganz Russland sind es zum Vergleich 8.788 Rubel (255 Euro). In den einzelnen Wirtschaftssektoren der Stadt herrschen erhebliche Unterschiede im Lohn- und Gehaltsniveau.
In Moskau verbesserte sich der Lebendsstandard innerhalb der letzten Dekade erheblich. Die Stadt hat sich seit Anfang der 1990er Jahre von einer der preiswertesten zu einer der teuersten Städte der Welt entwickelt. Nach dem Wert des Verbraucherkorbes, der über 150 Hauptwaren beinhaltet, nimmt sie den ersten Platz in Europa ein und steht nur den japanischen Städten Tokio und Osaka nach.
Etwa fünf bis zehn Prozent der Moskauer Bevölkerung zählen zur wohlhabenden oder reichen Schicht. Das heißt rund eine Million Menschen besitzen eine hohe Kaufkraft. Rund 40 Prozent der Einwohner, das sind etwa vier Millionen Menschen, gehören der neuen Mittelschicht ein.
Verkehr
Fernverkehr
Osaka
Die zentrale Lage prädestiniert Moskau zum wichtigsten Verkehrsknoten des Straßen-, Bahn-, Fluß- und internationalen Flugverkehrs im europäischen Teil des Landes. Ein Kanalsystem verbindet die Stadt mit fünf Meeren. Moskau besitzt mehr
ZarZar (v. bulg. цар oder russ. царь ; aus lat. Caesar) war der Titel der bulgarischen, russischen und serbischen Monarchen.
In Bulgarien wurde der Titel seit dem Jahr 864 vom Herrscher Boris I. Michail verwendet.
Dieses slawische Derivat distanzierte sich bewusst vom lateinischen Ursprung wegen der Rivalität mit Byzanz, soll aber dennoch imperialistische Ambitionen des Titelträgers andeuten. So nahm Simeon I. 917 den Titel „Zar der Bulgaren und Griechen“ an.
In Russland wurde der Titel von 1546 bis 1917 verwendet. Erstmalig nutzte Iwan III. 1478 ungekrönt diesen Titel. 1721 übernahm Peter I. den Titel Kaiser (Imperator), gleichbedeutend mit dem Titel Zar. Die russischen Herrscher trugen vorher den Titel Großfürst (russ. Weliki Knjas). Dieser Titel wurde in neuerer Zeit für alle nicht regierenden Mitglieder der Zarenfamilie (außer dem Zaren und/oder der Zarin) genutzt, wobei der jeweilige Thronfolger seit 1797 als Zarewitsch von den übrigen Großfürsten abgehoben wurde. Seit der dynastischen Hausordnungsreform des Zaren Alexander III. (1881-1894) durften nur noch jüngere Zarensöhne und deren jeweilige eigene Kinder den Titel eines "Großfürsten" oder einer "Großfürstin" tragen, entferntere Verwandte wurden zu "Fürsten" oder "Fürstinnen" herabgestuft.
1917 wurde mit der Februarrevolution die Herrschaft der russischen Zaren beendet.
"Zar" war der Herrschertitel
- in Bulgarien 864-1014, 1186-1396 und 1908-1946,
- in Serbien von 1346-1371.
Literatur
- Detlef Jena: Die russischen Zaren in Lebensbildern, Weltbild, ISBN 3-8289-0545-5
Siehe auch
- Liste der russischen Zaren
- Liste der bulgarischen Zaren
- Geschichte Russlands, Geschichte der Ukraine
- Geschichte Weißrusslands, Geschichte Bulgariens, Geschichte Serbiens
Filme
- Padenije dynastii Romanowych (Der Fall der Dynastie Romanow), Esfir Schub, UdSSR 1927 - Zum 10. Jahrestag der Februarrevolution
Kategorie:Adelstitel
ja:ツァーリ
Inka]
Die Inka waren ein südamerikanisches Indianervolk (indigene Völker Südamerikas), die zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert ein riesiges, gut durchorganisiertes Reich beherrschten. Zur Zeit der größten Ausdehnung erstreckte sich ihr Einfluss vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien, ein Gebiet das größer ist, als die Entfernung vom Nordkap bis Sizilien. Das rituelle, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum war die Hauptstadt Cuzco im heutigen Peru.
Inka war auch der Titel des Herrschers des Inkareichs.
Überblick
Peru]
Die Inka sprachen Quechua, verwendeten die Knotenschrift Quipú, die nur Ziffern ausdrückte, und die Tocapu-Muster, die in Textilien gewebt wurden und bei denen noch nicht sicher ist, ob es sich um eine Schrift handelte. Da die Inka kein Geld kannten, entwickelten sie auch keine Steuern im europäischen Sinn. Stattdessen entwickelten sie einen Beamtenstaat, der durch umfangreiche, exakte, statistische Aufzeichnungen alle Leistungen und Bedürfnisse, alle Ressourcen, Tributverpflichtungen und ihre Verteilung aufeinander abstimmte. Die für den Staat notwendigen Leistungen wurden deshalb durch streng im Kollektiv organisierte Arbeiten erbracht.
Ein Drittel ihrer Arbeitszeit hatten sie für Inti, die Sonne, die mit dem Inka-Herrscher gleichgesetzt wurde, ein weiteres Drittel ihrer Arbeitszeit für Alte, Kranke, Witwen, Waise und Hilfsbedürftige zu arbeiten. Das letzte Drittel ihrer Arbeitszeit durften sie für den Unterhalt ihrer Familie nutzen. Das "Volk der Sonne" lügt nicht, stiehlt nicht und ist nicht faul. Adel und Beamte hatten viele Privilegien, waren vom Feld- und Militärdienst befreit, durften mehrere Frauen haben und Schmuck tragen. Der jeweilige Herrscher wurde neben dem Sonnengott Inti, dem Schöpfergott Viracocha und der Erdgöttin Pachamama, als Gottheit verehrt.
Die Architekten, Straßen- und Brückenbauer leisteten großartige Arbeiten, was die 60 m lange Hängebrücke über den Río Apurímac, die 4'000 km lange und 8 Meter breite Küstenstraße und die 5'200 km lange und 6 m breite Andenstraße beeindruckend veranschaulichten. Auf ihnen waren Stafettenläufer unterwegs, die wichtige Nachrichten an einem Tag bis zu 400 km weiterleiten konnten. Das gesamte Straßennetz war ungefähr 40'000 km lang. Die Architekten errichteten Bauten aus tonnenschweren, zyklopischen Steinen, die sie verwinkelt fugenlos aneinander passten und die zum Teil trotz häufiger Erdbeben auch heute noch stehen.
Anden]]
Zahlreiche Operationen an Schädel und Extremitäten zeugen davon, dass die Inka medizinisch weit fortgeschritten waren. Werkzeuge und Waffen wurden aus Kupfer und Bronze hergestellt. Sie beherrschten die Webkunst und stellten Kleidung aus feiner Vicuña- und Alpakawolle her. Die gefundenen keramischen Gegenstände weisen einfache farbenfrohe Muster auf und besitzen nicht die Verspieltheit früherer Kulturen. Sie spielten auf der Okarina, einem Blasinstrument aus Ton bei ihren Feierlichkeiten und Festen.
Um Hungersnöten vorzubeugen und eine für die Bedingungen des Hochgebirges riesige Zahl von Menschen zu versorgen, wurden nahezu alle Hänge terrassiert und mit Kanälen bewässert. Überschüsse wurden in speziellen Speichern gelagert, die vor Regen schützten, in denen der Wind zirkulierte und hierdurch vor Fäule schützte. In einigen Fällen wurden Kartoffeln "gefriergetrocknet". Auf den hochgelegenen Terrassen wurden Mais, Kartoffeln, Quinoa, Amarant, Kürbis, Tomaten, Erdnüsse und Paprika angebaut. Als Haustiere hielten sie Lamas, Enten, Alpakas und das Meerschweinchen.
Geschichte
Meerschweinchen
Entstehung
Über die Entstehung der Inka gibt es mehrere, verschiedene Legenden. Die bekannteste ist die vom Chronisten Garcilaso de la Vega. Ihr zufolge soll der erste Inka Manco Cápac, der Sohn der Sonne, und seine Schwester Oqllo, vom Sonnengott Inti auf die Erde gesandt worden sein, um die Welt zu verbessern. Auf der Sonneninsel im Titicacasee erreichten sie die Erde. Der Sonnengott gab ihnen einen goldenen Stab mit; wo es ihnen gelang den Stab mit einem Schlag in die Erde zu treiben, sollten sie ihren Wohnsitz gründen. Nach langem Herumirren fanden sie eine Stelle und gründeten darauf um das Jahr 1200 die Stadt Cuzco, das nach ihrem Verständnis der Nabel der Welt war.
Den mythischen Titicacasee, eine tiefblau oder silbern leuchtende Fläche von 8.000 km², in der mehrere Inseln liegen, u.a. die Mond- und die Sonneninsel, auf der der Ritualstein Titi-Khar'ka liegt, betrachten die Quechua sprechenden Inka und die Aymara sprechenden Nachfahren des Volks von Tiahuanaco als heilig. Zwei Kulturen mit gemeinsamen Wurzeln: Das Wort "titi" bedeutet in der Aymara-Sprache "Bergkatze", "caca" in Quechua "Felsen".
Der Überlieferung nach hatte das Inkareich 13 Herrscher. Die ersten 8 sind halb geschichtliche, halb mythologische Gestalten. Die letzten 5 Inka sind geschichtlich erwiesen.
Aufstieg und Expansion
Die ersten spanischen Chronisten zeichneten bei ihrer Ankunft in Cuzco die mündlichen Überlieferungen der Inka auf. Diese Aufzeichnungen sind geschichtlich nicht erwiesen, ergeben aber ein Bild, wie die Inka durch Taktik und Eroberungen zu einem dominanten Volk in Südamerika aufgestiegen sind.
Als die Inka im Gebiet von Cuzco eintrafen, lebten hier noch verschiedene andere Stämme, unter anderem die Gualla und die Sauasera. Die Gualla wurden von dem relativ kleinen Volk der Inka angegriffen und allesamt getötet. Daraufhin schlossen sich die Sauasera mit einem anderen Stamm zusammen und versuchten sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Die Inka besiegten auch diesen Stammesverbund und machten sich daran, die übrigen Stämme zu unterwerfen. Durch die Besetzung der Bewässerungssysteme der Alcabiza und der Tributverpflichtung, die sie den Culunchima auferlegten, hatten sie das Gebiet zwischen den beiden Flüssen Huatanay und Tullumayo unter ihre Kontrolle gebracht.
Bei den Eroberungen spielte Inti als Kultobjekt eine große Rolle. Es wurde in einem Kasten aus Stroh aufbewahrt und als Heiligtum verehrt. Die Nachfahren des ersten Inka Manco Cápac wagten nicht den Kasten zu öffnen. Erst der vierte Inka Mayta Cápac brachte den Mut dazu auf. In der Legende heißt es, das heilige Objekt Inti habe sprechen können und Ratschläge für die Eroberungen gegeben. Der fünfte Inka Cápac Yupanqui führte erstmals Feldzüge gegen weiter entfernte Völker. Ab diesem Zeitpunkt gewannen die Inka regionale Bedeutung.
Die Ayarmaca, einer der wichtigsten Stämme in der Umgebung, wurde durch die Heirat der Tochter des Herrschers Tocay Cápac und Cápac Yupanqui gewonnen. Mit dieser Verbindung erfolgte auch ein militärischer Zusammenschluss. Der sechste Inka Inca Roca heiratete die Tochter des Herrschers der Guayllacan und aus dieser Verbindung ging der siebte Inka Yahuar Huacac hervor. Zu dieser Zeit wandelte sich das Verhältnis zu den Ayarmaca. Bis dahin waren die beiden Völker gleichberechtigt. Durch die zunehmende Dominanz der Inka kam es zu Konflikten. Der achte Inka Viracocha Inca besiegte schließlich seinen Rivalen Tocay Cápac und unterwarf das Volk der Ayarmaca.
Mit dem Volk der Quechua hatten die Inka gute wirtschaftliche Beziehungen, die durch Heirat von Viracocha Inca und der Tochter des Häuptlings noch gestärkt wurden. Deren Feinde, die Chanca, stellten auch für die Inka und Cuzco eine Bedrohung dar. Der Sohn Viracochas, Yupanqui, suchte Verbündete gegen die Chanca und fand sie in den beiden Stämmen Cana und Canchi. 1438 wurde Cuzco von den Chanca belagert. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit gelang es ihnen nicht, die Stadt einzunehmen. Schließlich wurden sie von Yupanqui besiegt. Yupanqui wurde noch im selben Jahr der neunte Inka und nahm den Namen Pachacútec an. Ab diesem Zeitpunkt gibt es genaue geschichtliche Aufzeichnungen.
Blütezeit des Inkareiches
Während der Regierungszeit Pachacútecs von 1438 bis 1471 erweiterte er das Inkagebiet in den Zentralanden vom Titicacasee bis nach Junín. Das Reich Tahuantinsuyo (auf Quechua Tahuantinsuyo, tahua - vier, antar - Provinz, suyo - Land) wurde nach den vier Himmelsrichtungen aufgeteilt, seine Flagge war die Regenbogenfahne und Cuzco entwickelte sich zum rituellen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum.
Regenbogenfahne
Pachacútec ließ in der Umgebung landwirtschaftliche Terrassen zum Anbau von Mais errichten, um damit die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Kanäle zu den Flüssen Río Sapphi und Río Tullumayo, die durch die gesamte Stadt führten, versorgten die Einwohner mit frischem Wasser und hielten die Stadt sauber.
Túpac Yupanqui übernahm 1471 als 10. Inka die Herrschaft des Reiches von seinem Vater. Unter seiner Führung errang das Inkareich die größte Ausdehnung. Durch Eroberungszüge konnte er das Gebiet zwischen Quito in Ecuador und Santiago in Chile dem Reich einverleiben. Hohe Würdenträger der unterlegenen Stämme wurden nach Cuzco berufen und mit wichtigen Verwaltungsfunktionen betraut. Dieser geschickte Schachzug sorgte nicht nur für innere Ruhe, sondern ließ Künstler, Denker und Wissenschaftler ansiedeln.
Huayna Cápac, der 11. Inka, übernahm 1493 das Reich. Er verlegte seinen Hauptsitz nach Quito, um den unsicheren Gebieten näher zu sein und bemühte sich um weitere Expansion. In seinen letzten Jahren erreichte ihn noch die Meldung von bärtigen, weißen Männern. Noch vor seinem Tod entschied er sich, das Reich zwischen seinen beiden Söhnen aufzuteilen. Atahualpa erhielt die nördliche Region und residierte in Cajamarca, während Huáscar den südlichen Teil mit Cuzco als Regierungssitz erhielt. 1527 erlag Huayna Cápac einer Seuche. Die Zweiteilung des Reiches führte zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den beiden Brüdern. Obwohl Huáscar von den Inka geschätzt wurde, unterlagen seine Leute den kampferprobten Truppen aus dem nördlichen Territorium im Jahr 1532. Huáscar wurde dabei gefangen genommen und hingerichtet. Atahualpa war damit der unumschränkte Herrscher über das gesamte Inkareich.
Untergang
1532
Im April 1532 landete Francisco Pizarro an der peruanischen Küste. Bereits einige Jahre davor wurden die Inka von für sie neuartigen Krankheiten (Pocken und Masern) heimgesucht, die sich über Mittelamerika nach Süden ausgebreitet hatten und tödlich verliefen. Pizarro fand kein starkes Reich vor, sondern einen Staat, der in einen Nachfolgekrieg zwischen den Brüdern Atahualpa und Huáscar verstrickt war. Dieser Bürgerkrieg erschütterte die Grundfesten des Reiches und die Unzufriedenheit der unterworfenen Völker beschleunigte den Zusammenbruch.
Atahualpa unterschätzte die Gefahr durch die Ankunft der Spanier. Am 15. November 1532 wurden sie von Atahualpa freundlich empfangen. Pizarro sowie seine 168 Gefährten nutzten die Situation, nahmen Atahualpa gefangen und richteten an seinen 20'000 Kriegern ein Blutbad an. Die Angriffe der Spanier trafen die Inka wie ein Schock. Sie kannten die Taktik des Hinterhaltes nicht. Den Waffen aus Stahl hatten sie mit ihren Rüstungen aus Leder und Baumwolle nichts entgegen zu setzen. Sie kannten keine Pferde, auf denen die Angreifer ritten. Für sie waren Spanier zu Pferd monströse Geschöpfe aus einer anderen Welt. Meist versuchten sie ohne jegliche Verteidigung zu fliehen.
Atahualpa wollte sich für ein Zimmer voller Gold und Silber freikaufen. Dazu wurden alle Tempel und Schatzkammern des Reiches "geplündert". Lamakarawanen trafen aus allen Reichsteilen ein und lieferten vielfach die Kultgegenstände ganzer Stämme und Orte ab, heute auf einen Wert zwischen 25 und 45 Millionen Euro geschätzt. Da Atuahualpa als Marionette der Spanier immer noch Befehlsgewalt innehatte und u.a. den Befehl gab, seinen Bruder, der in Cuzco gefangen war, zu töten, wurde er - in Abwesenheit von Pizarro - zum Tode verurteilt und am 29. August 1533 durch Erdrosselung hingerichtet. Als Nachfolger wurde Häuptling Manco Cápac II. eingesetzt. Der Widerstand der Inka nahm stetig ab und die früher von den Inka unterworfenen Stämme schlugen sich auf die Seite der Eroberer, in der Hoffnung dadurch eine Unhabhängigkeit zu erreichen. Am 15. November 1533 erreichte Pizarro die Hauptstadt Cuzco, die ihm ohne nennenswerten Widerstand übergeben wurde.
Pizarro setzte 1533 den Halbbruder Atahualpas, Manco Cápac II., als Inka ein. 1536 begehrte Manco Cápac II. gegen die Spanier auf und wurde aus Cuzco vertrieben. Er zog sich mit seinen Leuten in die 1999 wiederentdeckte Bergfestung Vilcabamba zurück und versuchte, den spanischen Eindringlingen Widerstand zu leisten. Bei Zwistigkeiten zwischen Pizarro und Diego de Almagro schlug er sich auf die Seite von Almagro, bis ihn Almagro 1544 ermorden ließ. Seine Söhne Sayri Túpac und Titu Cusi Yupanqui führten den Kampf weiter fort. Nach dem Tod der beiden übernahm ihr Halbbruder Túpac Amaru den Thron. Bei einer Expedition besetzten die Spanier Vilcabamba am 24. Juli 1572. Túpac Amaru war zwar bereits geflüchtet, aber sein Aufenthaltsort wurde verraten und der letzte Inka festgenommen. Am 24. September 1572 wurde er in Cuzco durch Enthauptung hingerichtet. Der Legende nach soll der Inka-Adel entkommen sein und sich in die verlorene Stadt Paititi zurückgezogen haben.
Verwaltung und Technologie
Paititi
Die Erfolge der Inka durch ihre militärischen Fähigkeiten konnten zwar dieses riesige Reich schaffen, aber nicht auf längere Zeit aufrecht erhalten. Nur durch die perfekte Verwaltung des Landes und ihre Fähigkeit, die Ressourcen nutzbringend einzusetzen, ließ sich das Reich stabilisieren. Darin sind die Inka vergleichbar mit den Ägyptern oder dem Römischen Reich. Sie verstanden es, die unterworfenen Völker richtig einzusetzen. Aus dem enormen Pool an Energien, Erfahrungen, Technologien und Arbeitskräften schöpften sie Bauern, Soldaten für die Armee, Architekten und Steinmetze für den Bau von Straßen, Tempeln, Bewässerungskanälen und Terrassen. Hohe Würdenträger der verschiedenen Stämme siedelten sie nach Cuzco um und betrauten sie mit wichtigen Verwaltungsfunktionen. Die besten Handwerker des Reiches beauftragten sie mit der Herstellung von wertvollen Textilien, von Kunstgegenständen, Ton- und Metallwaren. Dieser kluge Schachzug sorgte für Anerkennung bei den unterworfenen Stämmen, die sie auch auszunutzen verstanden.
Jeder hatte dem Reich zu dienen, auch der Herrscher selbst, um dessen Person sie einen rituellen Kult entwickelten. Nach diesem Kult stammte er vom Sohn der Sonne ab, dessen Vorfahren bis zur Sonne zurückverfolgt werden konnten.
Kult
Aus der Hauptstadt Cuzco, dem rituellen und politischem Zentrum, machten sie ein architektonisches Vorzeigeobjekt, die jeden Besucher zum Staunen bringen sollte. Stil und Bauweise setzten sich schnell überall im Reich durch. Dabei berücksichtigten sie bei den Bauten immer die Umgebung und versuchten sie miteinander zu kombinieren. Bestes Beispiel dafür ist Machu Picchu, dessen Planer die architektonischen Anforderungen mit der geographischen Umgebung verschmelzen ließ.
Die gewaltigen Bauten hatten nicht nur praktischen Wert, sondern dienten auch als sichtbare Demonstration der Macht und Herrlichkeit. Potentielle Feinde sollten damit beeindruckt werden. Zwei Straßen, die sich quer durch das gesamte Land zogen, bildeten das Rückgrat des Reiches. Die beiden Königsstraßen, eine von Cuzco durch die Anden nach Quito, die andere entlang der Pazifikküste und ihre Querverbindungen, dienten zum schnellen Verschieben von Truppen, Nachschub, Waren- und Informationsaustausch. Sie waren auch maßgebend für die Überbringung von wichtigen Nachrichten in kurzer Zeit.
Für die Versorgung des riesigen Reiches siedelten die Inka im ganzen Lande Bauern um, förderten den Austausch von Waren zwischen den verschiedenen Lebensräumen der Anden. An steppenartigen Stellen ließen sie Bewässerungskanäle errichten. Damit machten sie brachliegende Wüsten und Hochtäler zu sehr fruchtbaren Gegenden. Angebaut wurden zumeist Kartoffeln und Mais. Daraus erzeugten sie auch das für rituelle Zwecke verwendete Maisbier. An den Ufern des Titicacasees entwickelten sie ein Entwässerungssystem, das selbst Feuchtgebiete bebaubar machte und die Auswirkungen von Frostschäden minderte.
Medizin der Inka
Die Inka erlangten viele Erkenntinisse in der Medizin. Sie führten bereits erfolgreiche Operationen am Schädel durch.
Kokablätter wurden dazu verwendet, Hunger und Schmerzen zu lindern, was auch heute noch sehr in den Anden verbreitet ist. Die Casqui (Läufer) kauten Kokablätter für einen Energieschub, um ihrer Aufgabe, als Sprinter Nachrichten im ganzen Reich zu verbreiten, besser nachkommen zu können. Neue Forschungen der Erasmus University zeigen, dass im Gegensatz zum weit verbreiteten Glauben das Volk der Inka nicht abhängig war von Koka. Ein anderes Heilmittel bestand darin noch warme, gekochte Rinde des Pfefferbaumes auf eine Wunde zu legen. Die Inka verwendeten sogar Meerschweinchen für medizinische Zwecke.
Liste der Inka
- Manco Cápac (ab etwa 1200)
- Sinci Roca
- Lloque Yupanqui
- Mayta Cápac
- Cápac Yupanqui
- Inca Roca (um 1350)
- Yahuar Huacac
- Viracocha Inca
- Pachacútec Inca Yupanqui (1438 - 1471)
- Túpac Inca Yupanqui (1471 - 1493)
- Huayna Cápac (1493 - 1527)
Inka nach der Teilung des Inka-Reichs:
- Huáscar (1527 - 1532)
- Atahualpa (1527 - 1533)
Inka nach der spanischen Eroberung:
- Túpac Huallpa (1533)
- Manco Cápac II. (auch: Manco Inca) (1533-1544)
- Sayri Túpac (1544-1561)
- Titu Cusi Yupanqui (1561-1570)
- Túpac Amaru (1570-1572)
- Túpac Amaru II.
Literatur
- Felipe Guaman Poma de Ayala: El primer nueva corónica y buen gobierno [Original Manuskript (1615/1616) in der königlichen Bibliothek in Kopenhagen]. Digitale Version: [http://www.kb.dk/elib/mss/poma/]
- Hans D. Disselhoff: Das Imperium der Inka, München 1978 ISBN 3-453-00887-1
- Hans D. Disselhoff: Oasenstädte und Zaubersteine im Land der Inka. Archäologische Forschungsreisen in Peru, Berlin 1993 ISBN 3-793-41115-X
- Kampf um die Inkastadt Cuzco. Aufzeichnungen eines anonymen Zeitzeugen 1535 - 1539. Übersetzt und eingeleitet durch Mario Koch, (=Cognoscere Historias, Band 11), trafo Verlag Berlin, 2000 ISBN 3-89626-321-8
- Meinrad M. Grewenig: InkaGold. Katalog zur Ausstellung, Heidelberg: Kehrer, 2004
- Catherine Julien: Die Inka. Geschichte, Kultur, Religion, München: C.H. Beck, 2003 ISBN 3-406-41875-9
- Jakob Wassermann: Das Gold von Caxamalca
- National Research Council , 1989, Lost Crops of the Incas: Little-known Plants of the Andes with Promise for Worldwide Cultivation. National Academic Press, Washington, DC. USA.
Siehe auch
- Inka-Pfad
- Indigene Völker Südamerikas
- Kristallschädel
- Tiahuanaco
Weblinks
- [http://www.indianer-welt.de/sued/inka/ Kleines Informationsportal]
Kategorie:Südamerikanische Ethnie
Kategorie:Inka-Reich
ja:インカ帝国
1515
- Errichtung des St.-Annen-Kloster Lübeck
- Das erste Nashorn in Europa (Château d’If)
Politik und Weltgeschehen
- 14. März: Hermann V. von Wied wird Erzbischof von Köln
- 22. Juli: Wiener Doppelhochzeit
- Franz I. wird französischer König
- Johann Schöner veröffentlicht seinen Globus mit der Terra Australis.
- Die Franzosen unter Franz I. siegen über die Schweizer in der Schlacht von Marignano in Norditalien. Daraufhin erklärt sich die Schweiz am 14. September „auf ewig“ für neutral
- Mülhausen wird zugewandter Ort der Schweizer Eidgenossenschaft
- Markgraf Christoph I. (Baden) teilt das Land unter seine drei Söhne auf. Erst 1771 wird die Markgrafschaft Baden wieder per Erbschaftsvertrag unter Markgraf Karl Friedrich (Baden) vereinigt
- An der Wupper und an Bächen im Gebiet von Solingen existieren erste Schleifkotten: die Grundlage der weltberühmten Besteck-, Klingen-, Messer- und Schwert-Industrie; erste strenge Arbeitsteilung, Vorläufer heutiger industrieller Workflows
- Portugal beginnt mit der Erforschung Brasiliens
- 18. Februar: Valerius Cordus, deutscher Botaniker, Arzt, Pharmakologe und Naturforscher († 1544)
- 12. März: Caspar Othmayr, deutscher Priester, Theologe und Komponist († 1553)
- 28. März: Theresa von Ávila, spanische Nonne und Kirchenlehrerin, Heilige († 1582)
- 4. April: Ambrosius Lobwasser, deutscher Schriftsteller († 1585)
- 12. Mai: Christoph, Herzog von Württemberg († 1568)
- 22. Juli: Philipp Neri, römischer Heiliger, Gründer des Oratoriums
- 22. September: Anna von Kleve, Ehefrau König Heinrich VIII. († 1557)
- 4. Oktober: Lucas Cranach der Jüngere, deutscher Maler und Graphiker († 1586)
- 1. Januar: Ludwig XII. (Frankreich), König von Frankreich 1498–1515 ( - 1462)
- 5. Februar: Aldus Manutius, venezianischer Buchdrucker und Verleger ( - 1449)
- 5. November: Mariotto Albertinelli, italienischer Maler ( - 1474)
- 11. November: Dietrich Coelde, niederländischer Schriftsteller ( - um 1435)
- 16. Dezember: Alfonso de Albuquerque „Alfonso der Große“, portugiesischer Militär, Politiker, Seefahrer und zweiter Gouverneur von Indien ( - 1453)
- Alonso de Hojeda, spanischer Entdecker ( - um 1470)
ko:1515년
simple:1515
Philipp (Baden)Markgraf Philipp I. ( - 6. November 1479, † 17. September 1533) hatte von seinem Vater 1515 die markgräflichen Besitzungen Baden (Baden-Baden), Durlach, Pforzheim Altensteig, Teile von Eberstein, Lahr, Mahlberg und Geroldseck geerbt.
Sein Bruder Bernhard III. erhielt die linksrheinischen Besitzungen, der Bruder Ernst I. (Baden) die südbadischen Ländereien Hachberg, Usenberg, Sausenberg/Rötteln und Badenweiler.
Philipp war während seiner Regentschaft insbesondere mit zeitüblichen Aufständen konfrontiert. In Fortsetzung der Bundschuh-Bewegung und immer wieder unter Führung von Joß Fritz erhoben sich insbesondere die Bauern und kämpften um ihre Rechte. Es kam vermehrt zu Übergriffen und Gewalt. Durch Durlach ziehend marschierten die Aufständischen zum Kloster Gottesau, das geplündert und völlig zerstört wurde - vor der Nase des Markgrafen. Dieser ging gegen die Heimatorte von Beteiligten vor und ließ z.B. in Berghausen drei Häuser in Brand stecken. Eigentliches Ziel war aber das Gebiet des Bischofs Georg von der Pfalz von Speyer, der sich schließlich zum Pfalzgrafen von Heidelberg flüchtete. Erst Kurfürst Ludwig V. gelang es 1525, die Aufständischen mit seinem Heer zu unterwerfen.
Philipp I. schloss mit seinen Bauern am 25. Mai 1525 den Vertrag von Rechen.
Er starb 1533 ohne männlichen Erben. Von seinen sechs Kindern überlebte ihn nur seine Tochter Marie Jakobäa (1507-1580), die seit 1522 mit dem Herzog Wilhelm IV. von Bayern verheiratet war. Seine beiden Brüder Ernst I. und Bernhard III. teilten seine Besitzungen unter sich auf. Damit entstand in Baden bis 1771 die Zweiteilung in die Häuser
- Baden-Durlach: Ernestinische Linie (nach Reformation protestantisch)
- Baden-Baden: Bernhardinische Linie (nach Reformation katholisch)
Grab
Das Grab des Markgrafen Philipp I. von Baden befindet sich in der Stiftskirche Baden-Baden.
Baden-Baden
Sein Grabmal ziert seine Skultptur in voller Lebensgröße und Rüstung, jedoch ohne Helm. Auf dem Grabmal ist folgende lateinische Inschrift zu lesen:
:DEM GLAUBEN AN GOTT GEHEILIGT
:DEM ERLAUCHTEN FÜRSTEN PHILIPP, MARKGRAFEN VON BADEN,
:EINEM FÜRSTEN AUSGEZEICHNET DURCH KRAFT DES KÖRPERS UND SCHÖNHEIT DER GESTALT,
:WELCHER DIE RITTERLAUFBAHN UNTER KARL VIII., KÖNIG VON FRANKREICH;
:BEI DER BELAGERUNG VON MAILAND BEGANN,
:WELCHER EINEN TEIL DER FLOTTE BEI DER BELAGERUNG VON MITHYLENE BEFEHLIGTE,
:WELCHER SPANIEN UND FRANKREICH DURCHZOG,
:WELCHER VERWESER DES REICHES IN DEUTSCHLAND UNTER KAISER KARL V. WAR,
:WELCHER ZU WASSER UND ZU LANDE GROSSE DINGE VOLLBRACHTE,
:WELCHER ZU HAUSE DURCH KLUGHEIT UND MÄSSIGUNG GEGEN DIE BÜRGER SICH UM
:DAS VATERLAND VERDIENT GEMACHT HAT
: - IHM -
:DEM LEIBLICHEN BRUDER,
:HAT NACH DESSEN LETZTEN WILLEN FÜRST ERNST DIES DENKMAL ERRICHTET,
:ER LEBTE 54 JAHRE 10 MONATE 7 TAG,
:UND STARB IM JAHRE 1533 AM 17. SEPTEMBER.
Der Grabstein stammt aus dem Jahre 1537 von Christoph Urach der noch weitere Werke in der Region erstellte.
Ehe und Nachkommen
Markgraf Philipp I. heiratete am 3. Januar 1503 Elisabeth von der Pfalz ( - 16. November 1483; † 24. Juni 1522), die Tochter des Kurfürsten Philipp von der Pfalz. Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:
- Marie Jakobäa ( - 25. Juni 1507; † 16. November 1580), heiratete am 3. Oktober 1522 Wilhelm IV. von Bayern
- Philipp ( - 1508; † 16. Februar 1509)
- Philipp Jakob ( - 1511; † 1511)
- Marie Eva ( - 10. November 1513; † 11. November 1513)
- Johann Adam ( - 1516; † 1516)
- Max Kaspar ( - 1519; † 1519)
Siehe auch:
- Stammtafel von Baden
Kategorie:Mann
Kategorie:Deutscher
Kategorie:Zähringer
Kategorie:Markgraf (Baden)
Kategorie:Geboren 1478
Kategorie:Gestorben 1533
Ernst I. (Baden)Markgraf Ernst I. von Baden-Durlach ( - 7. Oktober 1482 in Pforzheim; † 6. Februar 1553 in Sulzburg) bezog 1537 in Pforzheim seine Residenz.
Pforzheim
In der damaligen Zeit beschäftigte die aufkommende Reformation und die zunehmenden Türkenkriege das Land. Markgraf Ernst versuchte in der bewegten Zeit eine mittlere Stellung zwischen Protestanten und Katholiken zu behaupten und nahm am Schmalkaldischen Krieg nicht teil.
Er galt seinen Zeitgenossen als sehr sparsam und hatte sein Zimmer über den Eingangspforten seiner Residenz, so dass er immer sehen konnte wer kommt und geht. Folgende Begebenheit wird ihm zugesprochen:
Als einmal der Küchenchef einen schönen großen Karpfen stehlen wollte, sah der Markraf diesen unten aus dem Mantel des Küchenchefs herausschauen als dieser die Residenz verlies. Sofort sprang er auf, öffnete das Fenster und rief ihm nach. "Hörst Du, wenn du mir einen Karpfen stehlen willst, so nimm entweder einen kleineren Fisch oder einen längeren Mantel!".
Ernst I. erbte bereits 1515 wie auch seine beiden Brüder Philipp von Baden und Bernhard III. von Baden von seinem Vater Christoph I. von Baden Teile der Markgrafschaft Baden. Das Land war damit geteilt. Erst 1771 wurde es unter Markgraf Karl Friedrich von Baden, einem Nachkommen der "Ernestinischen Linie" Baden-Durlach, nach Aussterben der anderen Linien, durch einen Hausvertrag der die Erbfolge regelte, wieder vereint.
Ehen und Nachkommen
In erster Ehe heiratete der Markgraf am 29. September 1510 Elisabeth von Brandenburg-Ansbach ( - 25. März 1494; † 31. Mai 1518), die Tochter des Markgrafen Friedrich V. von Brandenburg-Ansbach. Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor:
- Albrecht ( - Juli 1511; † 12. Dezember 1542)
- Anna ( - April 1512; † nach 1579), heiratete am 11. Februar 1537 den Grafen Karl I. von Hohenzollern ( - 1516; † 8. März 1576)
- Amalie ( - Februar 1513; † 1594), heiratete 1561 den Grafen Friedrich II. von Löwenstein ( - 22. August 1528; † 5. Juni 1569)
- Marie Jakobäa ( - Oktober 1514; † 1592), heiratete im Februar 1577 den Grafen Wolfgang II. von Barby ( - 11. Dezember 1531; † 23. März 1615)
- Marie Cleopha ( - September 1515; † 28. April 1580), heiratete 1548 den Grafen Wilhelm von Sulz († um 1566)
- Elisabeth ( - 20. Mai 1516; † 9. Mai 1568), heiratete 1533 den Grafen Gabriel von Ortenburg-Salamanca († Dezember 1539) und am 30. Juli 1543 den Grafen Konrad II. von Castell ( - 10. Juli 1519; † 8. Juli 1577) in zweiter Ehe
- Bernhard ( - Februar 1517; † | | |